Pressetext
loop
Birgit Jensen, Kenzo Onoda, Patrick Rieve, Dominik Stauch,
Joëlle
Tuerlincks
22.1. - 16.2.2006
Laden, Hildebrabdtstraße 14, D - 40215 Düsseldorf
Die Ausstellung „Loop“ befindet sich im äußeren
Bereich und im Inneren der Rauminstallation „Villa“ von Joung-en
Huh. Die Ausstellung greift mit ihrem Thema sowohl die Rauminstallation
selbst, als auch den Fortbestand der raumgreifenden Skulptur als Interieur
und Bühne für eine aus sich selbst entwickelte neue Raumsituation
auf. Die Villa geht in die zweite Runde ihrer Existenz mit leicht veränderten
Vorzeichen. War sie in Joung-en Huhs Ausstellung „Villa“ das
Subjekt, so ist sie in der neuen Ausstellung „Loop“ das Objekt.
Ein Loop ist ein sich wiederholendes Muster, ein geschlossener
Kreislauf, eine Programmschleife mit mehrfach durchlaufenden, ständig wiederkehrenden
Motiven.
Das Thema der Ausstellung „Loop“ ist ein solches Bewegungsmuster.
Die Bewegung vollzieht sich in Relation zu ihrer Umgebung real oder imaginär.
Birgit Jensen
„
CCK I“, 2005, Acryl auf Leinwand, 95 x 140 cm
Im rot tapezierten Innenraum der Installation „Villa“ von
Joung-en Huh hängt das Bild „CCK I“ von Birgit Jensen.
Die architektonisch-urbanen graphisch reduzierten Versatzstücke
auf dem Bild lassen sich zu einem städtischen Ensemble ergänzen.
Gleichzeitig nimmt man Dopplungen wahr: einige Architektur-Elemente tauchen
mehrmals auf. Sie wiederholen den Ausschnitt einer Stadtlandschaft in
Form einer Verschiebung. Es werden mehrere, parallel in das Bild integrierte
Raumsituationen dem Auge des Betrachters angeboten, das bereitwillig
die optisch defizitäre Situation zu einem sinnvollen Ganzen zu destillieren
sucht. Einerseits läßt das Bild die Assoziation einer überfüllten,
endlosen Stadtstruktur zu, andererseits bricht es die Eindeutigkeit einer
solchen wie auch immer gearteten „Identität“. Die Bildpunkte
scheinen sich im Kreis zu bewegen. Die Bewegung sowohl der einzelnen
Flecken auf dem Bild als auch die unlösbare Widersprüchlichkeit
der unterschiedlichen Rezeptionsmodi ist vergleichbar mit einem fortdauernden
Loop.
Die Dynamik der Bildrezeption läßt durchaus an die in der
modernen Architekturtheorie geführte Diskussion um die Wahrnehmbarkeit
des Urbanen denken, in der weniger das einzelne Gebäude oder die
Stadt selbst Gegenstand ist, sondern vielmehr Fragen der Perzeption,
der Betrachtersituierung, der Kongruenz oder Divergenz von Strukturen
oder Texturen.
Kenzo Onoda
„
Parade“ full of colors, 2005, Computeranimation
„
Parade“ wurde 2005 wandfüllend im Museum of Modern Art in
Gunma, Japan, gezeigt. Die Animation besteht aus einer endlosen Folge
von leuchtend bunten Vierecken, die auf dem Bildschirm auftauchen, wachsen
und verschwinden. Sie entstehen aus einer „ordnungslosen Mathematik“,
nicht aus einer Formel, sondern aufgrund einer Programmierung, die ihre
Formen ständig neu generiert. Die einzelnen Bilder folgen dem Prinzip
der Equivalenz und Gleichzeitigkeit von Gegensätzen. Das Fehlen
einer hierarchische Struktur, die Wiederholung, die Darstellung von Simultaneität
und die Einheit von gegensätzlichen Polen wie z.B.
klein - gross, die Farbkontraste etc. erinnern in ihrer
Grundhaltung an die Prinzipien
des Zen-Buddhismus.
Die Struktur der geometrischen Formen ist wie ein genetischer
Code, der einer bestimmten Konstruktion folgend gedreht
und verdreht wird in einer
gleichmäßigen, ineinanderfließenden
Bewegung.
Patrick Rieve
„
Wüste“, 1999, Zeichentrickfilm/Videoloop, schwarzweiß
Die ersten Aufnahmen zu der Animation „Wüste“ von Patrick
Rieve wurden mit 16mm Film am Tricktisch gemacht. Das Ergebnis wurde
auf den Schneidetisch übertragen und mit Hi8 abgefilmt. Als drittes
Medieum erfolte die Digitalisierung. Digital wurde der Film geloopt und
schließlich als Video ausgegeben. Die Aktion in dem Film ist charakterisiert
durch eine lineare Bewegung. Diese versetzt den Betrachter in die Lage
eines Reisenden, der sich durch eine endlose Wüstenlandschaft zu
bewegen scheint. So wie die Kakteen, die in der Wüste wachsen, nur
einen äußerst minimalen Nährboden für ihr bizarres,
langsames Wachstum zur Verfügung haben, bietet auch der Film von
Patrick Rieve nur wenige Reize. Er erschließt sich für den,
der sich einläßt auf eine lange konzentrierte Reise. Der Videoloop „Wüste“ ist
nicht nur ein Film, der als Film betrachtet werden
soll, sondern auch der Versuch in den Raum zu gehen,
ihn als
Teil einer Rauminstalltion
zu begreifen.
„
Wüste“ lief als Vorfilm zu der Italowestern-Reihe im Kino
B-Movie in Hamburg 2005. Außerdem wurde er 2004 in der Ausstellung
Six Pack im Musterraum in München gezeigt. Ursprünglich geplant
war er für eine Serie, die den Titel „Animation Film Classics“ tragen
sollte und aus einer Reihe von simplen Comic-Sequenzen
bestehen sollte.
Dominik Stauch
„
Radar Love“, 2004, Animation
Mit den über den Bildschirm schwebenden Farben und Formen werden
Tonfolgen erzeugt, die eine vielschichtig korrelierte, sich fortwährend
verändernde Farb-Ton-Komposition entstehen lassen. Dominik Stauch
erweitert die Strategie der Konstruktiv-Konkreten Kunst tendenziell in
die Späre des Synästhetischen. Einfache Systeme erzeugen poetische
Wirkungen, klare Konturen werden unscharf, Wörter und Formen erzeugen
Klänge, Klänge erzeugen Farben
und umgekehrt.
Die Animationen bewegen sich zwischen Avantgarde-Kunst,
Rock´n´Roll,
Pop-Kultur und den Mythen der Beat-Generation.
Joëlle
Tuerlinckx
DESSINS NÉGATIFs Dessins négatifs ensemble „SALLE
ROSE“ version originale „a stretch museum scale 1:1“,
2000-2001, Videoprojektion 01:10:40
Die Zeichnungen werden schwarz auf
weiß ausgeführt und gleichzeitig
mit der Kamera als Negativ aufgenommen. Sie werden auf eine Wand bzw.
eine Fläche, die genau den Proportionen des Kamerabildes entspricht,
projeziert. Die Zeichnungen sind der Vorwand für eine Handlung.
Sie sind bewußt einfach: geometrische Formen wie ein Quadrat, ein
Rechteck und manchmal ein Kreis. Stück für Stück wird
das Bildfeld von Farbe bedeckt. Plötzlich ändert sich die Aktionsrichtung,
es tritt eine Verzögerung ein, Assoziationen von Gegenständen
wie Bilder von Türen oder von
Fenstern tauchen auf.
Wie wird die architektonische Umgebung
durch das projezierte Bild verändert?
Wird sie größer oder kleiner, entsteht ein imaginärer
Raum oder sogar die Unendlichkeit? Wie verändern
die assoziierten Bilder den realen Raum?
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